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nur weil wir hier keine tagebücher mehr reinschreiben, heisst das nicht, dass wir schlafen. das sei gemerkt und notiert. das heisst nicht, dass sie den bummelzug, den sie leben nennen, nicht endlich in bewegung bringen sollen! (26. juni 2004)

liebes tagebuch! (feber)
umgezogen. ich bin tatsächlich umgezogen. und träume nur mehr von wasser. von unter wasser sein.
und dabei wollte ich den grossen affenclüb hier revue "passieren" lassen, als wir schwestern brüll ausgestattet mit selbstgenähten schwänzen und gorillamasken wohl unser eruptivstes kunstwerk und die verstörendste performance lieferten. wir hatten, sozusagen, die macht und waren über den akt und auch das resultat wohl ordentlich erstaunt, aber die gorillamasken, geheiligte insignien der anonymität, liessen keinen anflug von unsicherheit und verwirrung auf unseren gesichtern erkennen....mannometer.


liebes tagebuch!
hätte meine wohnung bessere fenster, könnte ich klarer sehen und die kältespuren würden mir nicht die sicht nach draussen versperren, wo heute ausnahmsweise die sonne zu scheinen scheint. hätte dieses land nicht so viele berge und bergspitzen, die wie wildgewachsene und viel zu lange zähne aus einem dreckigen mund lachen, könnte ich vielleicht sogar in die zukunft schauen! aber im bergenland kann mensch nur in seinem eigenen chaos versinken, gepaart mit einer angst vor anarchie, wissend, wie es um ihn steht, befürchtet er bei einem derartigen ausbruch auch gleich das ende der welt. ich wünschte, dieses land würde all seine berge verkaufen, wie es auch die holländer getan haben, mit dem einzigen berg, der sie jemals besaßen. vielleicht liegt das ganze dilemma aber auch einfach nur daran, dass ich immer unten bin, immer in der schlecht riechenden und dunklen mundhöhle. die sicht von einer dieser in den himmelragenden urgesteine aus, wäre bestimmt eine andere. aber wenn ich dann auf dieser spitze sitze und in der ferne etwas sehen würde, dass mir gut gefällt, wie ein ort zum träumen und leben, dann lässt es sich ja erst nur erreichen, wenn ich wieder hinunter in das drecksloch steige. jetzt kann man sich es aussuchen: auf immer aussichtslos hoffnungslos oder langfristig sehnsüchtig. dann schreit von mir aus laut aus euch heraus: zurück zum beton, ihr affengesichter. während die hippies noch immer, mit dem ohr am asphalt, ihre hoffnung mit einem triangelspiel begleiten und uns gebetsmühlenartig erklären wollen: und unter dem beton ist der strand, unter dem beton ist der strand, unter dem beton ist der strand.
von einem hippie, der keiner sein will.


liebes tagebuch!
einen ausgetrockneten rachen nach einer langen flüssigen nacht haben. zwei müde augen, die in zwei schwarzen betten liegen, ähnlich pandabärenaugenhöhlen. die vorhänge zuziehen wenn man wach wird und den tag aus dem kalendar streichen. dem tag an sich keine aufmerksamkeit schenken, so tun, als gäbe es da kein abkommen zwischen diesem tag und mir, als wäre er ein fremder und ich hätte nichts zu tun mit ihm, diesen tag heute aus meinem leben ausschliessen und seine fleissigen kollegen, die tage der anderen menschen, auch draussen vorm fenster stehenlassen, sie in den nebel hängen und vom regen wegwaschen lassen, die strasse hinunter in den kanal. aber all das spielt im hinterzimmer keine rolle. und all das spielt auch keine rolle, wenn man schläft, keine rolle, wenn man seine augen zu hat und so davon ausgehen kann, dass man von niemandem gesehen oder gehört wird, und so kann mir auch nicht eine unglückliche vereinigung mit einem scheisstag passieren, wenn ich mich für einen tag ganz und ausschliesslich auf mein atmen konzentriere oder, weniger esoterisch und mit schnellerer wirkung, mir mit der pfanne eins über den kopf ziehe. visionen und utopien führen in dieser einen welt, in der sich tage an menschenleben klammern wie klebrig-grüner speichel, zwangsläufig zum alkoholismus. denkt man sich im nebel, im regen, wenn man mit den schuhen in die scheisse gestiegen ist, wenn man die zeitung liest, wenn man auf der suche nach etwas ist, von dem man allgemein davon ausgehen kann, dass es existiert, nur man selber es nicht und nicht finden kann, wenn man an zweiter stelle ist und davon genau gar nichts hat, wenn man immer hinterher und eben hinter etwas her und immer dahinter, dahinter, immer zu spät und leider nicht oder gerade nicht mehr, und immer im bewusstsein, dass es gerade n-o-c-h möglich gewesen wäre, den ersten, den, der es noch geschafft hat, den vor mir, hinter dem ich her, aber dieser eben davor und diesen einen eben immer vor einem haben, im blickfeld, in augenhöhe, und man selber: immer zu spät, immer hinterher, immer bricht das glück, wenn man sich darauf freut, immer dreht die sonne um, wenn man glaubt, sie geht auf.


liebes tagebuch! (17. november)
ich plane mich demnächst näher mit einer theorie des hamsterrades zu befassen. wie gross müsste so ein hamsterrad sein, damit man sich zwar in ihm bewegen kann, aber ohne es zu bemerken. und betrete ich nicht so und so mit jedem aufstehen am morgen mein hamsterrad? und ist der schlaf in der nacht nicht einfach nur eine zusatzrunde, die mir im liegen geschenkt wird und ihre drehschwungenergie aus dem überschuss an beinchenbewegung, die ich während des tages absolviert habe, ist?! laufen laufen laufen, guten morgen, bitte, danke, mahlzeit, wohnen, essen, trinken, duschen, denken, lesen, geniessen, putzen, lachen, telefonieren, sich über etwas beschweren, in der mitte eines grossen platzes sich im kreis drehen, über das wetter reden, die tageszeitung lesen, aktuelle politische themen kurz andiskutieren, babies zum lachen bringen und "entzückend" rufen, alten frauen aus der strassenbahn helfen, sich von alten männern zwischen zwei strassenbahnstationen geschichten aus dem krieg erzählen lassen, ihn als nazi denken und dabei nicken, um sich dann vom platz zu erheben und unter freunden diese begebenheit zum besten geben, während man sich eine flasche bier öffnet, mit freundinnen einkaufen gehen und sich über männer lustig machen, liebeskummer haben und sich dadurch endlich, ach endlich, wieder einmal künsterlisch kreativ ausleben können, bei sonnenschein ins grüne fahren und offensichtlich laut ein- und ausatmen, das tägliche essenkochen nach dem fernsehprogramm ausrichten, belanglose dinge nach postmoderner manier ins reich der coolness aufzunehmen und dadurch ihre existenz und ihren konsum legitimieren, sich mit beiden händen während des gehens durch die haare fahren, auf feuchtem laub ausrutschen und dabei einen unüberraschten eindruck machen, bei fehlern, die eindeutig anderen zuzuschreiben sind, sich dankend und nickend verabschieden und "egal" sagen, beim abgehen gegen die türe treten oder, falls man an diesem ort das klo benutzt, den hinweis "bitte verlassen sie diesen ort so, wie sie ihn vorgefunden haben" vorsätzlich ignorieren, das rückgeld in lokalen, bei zeitungsverkäufern etc., nicht nachzählen, um nicht den anschein von misstrauen zu erwecken, beim strassenbahnfahren das gegenüber dadurch nicht auf sich aufmerksam machen, indem man den gesichtsausdruck eines überlegenden mimt....
täschung und parole,
und im laufrad keinen herd.

liebes tagebuch!
fällt man dem feminismus wirklich in den rücken, wenn man von eiern redet, die man gar nicht hat? und kann es soetwas wie professionellen dilettantismus geben? ist es dann eine einstellung oder eine arbeitsweise? und kann ich auf etwas, das überraschend und zufällig passieren sollte, einfluss nehmen? und wenn ich dann diesen teil meines lebens für mich geklärt habe, wie entkomme ich dann andererseits dem romantischen dilemma? und kann mich gelebter pragmatismus und die dadurch erzielte unmittelbarkeit zwischen mir und der welt davor retten? vermutlich tun sich durch all diese fragen nur noch mehr erdlöcher vor mir auf, in denen genau gar nichts von mir platz hat, um sich zu verstecken. eine dilettantische dilemmantische endlosschleife. jawohl, zuzsätzlich müssen neue wörter erfunden werden, denn diese sprache kann meine fragen nicht im entferntesten fassen.


liebes tagebuch! (20. august)
morgen startet der container: die erste grosse brüll-show im b72! und da eine unserer voraussetzung bezüglich planung nämlich "schlechte planung" ist, können wir selber niemals wissen, was da abgehen wird und mit welchen überraschungen wir zu rechnen haben. ich finde das prinzip gut. andersherum käme bei mir gähnende langeweile auf und auch das publikum könnte sich dabei nur allzu schnell denken "dir ist langweilig? ich hab schon vorher gegähnt!". routine und arbeiten from 9 to five = gähn gähn gähn. ich will überraschungen und ja, da stimme ich dem letzten tagebucheintrag meiner schwester katharina zu: auch ich will mysterien. ich will rätsel. und geheimnisse. und eine sehnsucht, die sich nie erfüllt. und morgen die brüll-show!!!!YEAR YIPPIE YOOOH!


liebes tagebuch! (1. august)
für die heutige radiosendung muss ich nun mal meine gedanken sammeln. insekten wollen busen teil 2, diesmal kombiniert mit sommerlichem alltagssexismus. ist es der durch die hitze starrgewordene doch in wirklichkeit unschuldige oder zumindest im verborgenen unterbewussten bewusste blick, den ich so gar nicht mag und sofort als "frechheit" und "skandal" beschimpfe? aber wie sollte man die nachfrage eines passanten sonst einordnen, der meiner schwester als erklärung für seinen starren blick folgende antwort bietet:"ich wollte nur schauen, ob du eine unterhose anhast." ich will es mir vielleicht gar nicht erklären können, denn dann soll es mich für immer an allem männlichen, sommerlichen, schwitzenden ekeln. selbst junge männer, deren schwanz beim anblick fröhlich vor sich herwippender busen zu einer gewaltigen hormonlanze in ihrer badehose heranwächst, selbst da und gerade da gibt es kein pardon. ich finde es widerlich! und frage mich zugleich: hat konditionierung damit was zu tun oder kann selbst ich nicht mehr klar denken?! oder eben gerade ich?! das übel liegt an keinem busen. nicht am busen der natur. aber vielleicht am busen der kultur. ist das nun essentialistisch?! nee, nicht doch. aber der ganze sommer und all diese hormone. egal. ich werfe jetzt einfach mal alles in den alltagssexismussommertopf. von wegen sommerloch...


liebes tagebuch! (13.juli)
seit drei tagen bin ich nur zu hause, momentan eine babyfreie zone. und spiele rockstar in meinem zimmer. ich höre mir dreimal hintereinander liam lynch's cd "fake songs" and und dann schreibe ich selbst ein lied. ich habe mir auch extra einen pfadfindermässigen gitarrengurt gebastelt, damit ich das alles mehr FFÜÜÜÜHHLEE, you know baby...und weil ich liam lynch momentan super finde und ein schreibbedürfnis habe, schicke ich jetzt einen seiner texte raus in die welt:
HAPPY SONG
i am really happy cuz there's only one of me look at my smile i'm so damn happy other people are jealous of me. when i'm sad and lonely i like to sing this song it cheers me up and shows me that i won't be sad for long oh oh oh i'm so happy i can barely breahte puppy dogs, and sugar frogs and kitten's baby teeth, watch out all your mothers, i'm happy it's hardcore, happy as a coupon for a 20dollar whore ha ha ha i am really happy, i'm sugar coated me "happy good, anger bad" that's my philosophy (I CAN DO THIS MEN, I AM NOT HAPPY) i am really happy cuz there's only one of me. look at my smile, i'm so damn happy other people are jealous of me. these are my love handles and this is my spout but if you tip me over then "momma said knock you out" i am special i am happy i am gonna heave welcome to my happy world now get your shit and leave i am happy i am good...i'm out of here. screw you.
aber ich merke um den eigentlichen kick des liedes zu erfahren, muss man es sich anhören (es wird nämlich so schnell gesungen, dass die stimme schon fast quietschig wird). und dann gleich die ganze cd. faking it.
wir schwestern waren ja vergangenes wochenende in wels und haben dort endlich endlich unsere beste und liebste miss lena braun, head of queen barbie loge, getroffen, mit ihrer süssen pudeldame scarlett und hugo, der reflektorkleidermacher! (mehr darüber auf dieser homepage unter cooperations/miss lena braun/hassfabrik - mit fotos!!). lena hat sich ein stück ausgedacht, die "hassfabrik", aber wir schwestern sind leider schlechte schauspielerinnen, zumindest fühlen wir uns dabei immer so. die löwingerbühne könnte uns am ehesten noch engagieren. und in wels waren auch black dice aus brooklyn, die ein wirklich super konzert gegeben haben. wir schwestern haben uns in alle verliebt. ein fuck you festival mit love is in the air. wir wollen mehr von sowas!
m.


liebes tagebuch! (29.6.2003)
clüb brüllée numero 5 ist vorbei. und ich weiss nicht recht, ich weiss nicht recht. gefällt mir das denn noch?! oder ist nicht eher alles umsonst. ich lege mich besser noch einmal schlafen. vielleicht schaut die welt dann anders aus. puff. mooorgni.


liebes tagebuch! (27.6.2003)
olfaktorische belästigung von bierbauch über unterhemd tragenden männern mit dreitagesbart und faulen zähnen mit mundgeruch, den ich nicht zu riechen brauche, um ihn mir vorzustellen - ist total das widerlichste am luftig leichten erdrückend heissen sommer in u-bahnen. der geruch ist immer derselbe. die täter oft schon über alle berge oder in der nächsten u-bahn, aber ihr olfaktorisches ego hängt noch in den gepolsterten von fetten ärschen zu einem dünnen hauch von nichts mehr verformten sitzen. es ekelt mich so sehr, dass ich auch gleich alle toupetplusbierbauch-träger verabscheue, männer mit rotem hals und goldringen, männer, die sich in ihren kurzen beigen hosen an ihre stinkenden eier greifen, männer, die ihren fremden arm um mich legen um ihre schweissgetränkte dschungelmatte, die ihnen unter der achsel wächst, in genau MEINE richtung zu lüften, und alle männer, die breitbeinig in selbstverherrlichendem stil von der menge ihres eigenejakulats beflügelt mir gegenüber sitzen, aber auch männer, die ihre gefalteten hände über ihren scheissdreck zwischen ihren beinen legen, und testosteron gesteuerte vollidiotengruppen, die bei tag und nacht pfeifen und johlen und ihr verschwitzten augenschweinsschlitze nicht auf ihr elendiges eigenes richten können, sondern mit ihren kleinen testosteronblitzen in ihren augen, ihr gedankenejakulat auf alles weibliche, bewegliche spritzen, um dieses weiblich bewegliche zum erstarren zu bringen. alles männliche widert mich im sommer an! denn diese belästigung ist keine widerständige technik, diese belästigung ist mein grösster ekel und angst aus vielerlei hinsicht. jetzt geht es mir halbwegs besser. aber die nächste testosteronlanzenfratze von mann, die den olfaktorischen geruch von belästigung in seiner aura trägt, kriegt eine gescheuert, dass ihm die eier beim flug durch die luft abreissen.
eine wütende menstruierende.


liebes tagebuch! (9.6.03)
zurück aus kreta. urlaub am meer ist nun mal, vor allem im nachhinein gesehen, etwas sehr erholsames. obwohl man auch sagen muss, dass selbst die schönsten dinge, wie sand zum beispiel, bei starkem wind, unerträglich werden können. und auch regen auf der sonneninsel trug meinerseits zu einigen irritationen bei. urlaub am meer ist so ein fixes bild im kopf, mit genauen vorstellungen, sehr unflexibel, weil vollgefüllt mit erwartungen, illustriert wie in einem reisekatalog. spielt dann ein element, wie z.b. und v.a. wetter nicht mit, ist man irritiert und im ersten moment, weiss man nicht recht: "was 'n das jetzt?! und how come - ich mittendrin?" aber diese anfängliche verwirrung legt sich am zweiten schlechtwettertag. freute man sich anfangs, in erzählungen anderen gegenüber, noch auf meer und sonne und wärme, war man beim zurückkommen, sofern man anderen davon berichten sollte, "so froh, einfach mal weg zu sein". und so war es ein fantastischer urlaub, mit allen naturszenarien, die die insel (gewöhnlicherweise erst im laufe eines jahres) uns bieten konnte. in 7 tagen. aber das wichtigste ist: ein gelassener partner. und ein partner, der keine badehose in den urlaub mitnimmt, weil er erstens keine hat und zweitens unterhosen in der tarnfarbe schwarz auch bestens zum schwimmen geeignet sind, hat gelassenheit genug, um mich in meiner anfänglichen verwirrung, auch bzgl. des abrufbaren postkarten-urlaubstextes "es ist herrlich, das essen ist ausgezeichnet, den ganzen tag scheint die sonne und ich liege am meer", der ja in dieser ausführung erfunden wäre - jedenfalls für einige tage, auffangen konnte. und das finde ich superbe! und jetzt spielt gerade mein cd-player, wie passend, "who loves the sun...who cares that it is shining...who loves the sun...not everyone!"
in und voller liebe, jung, dynamisch, vital, motiviert und braungebrannt ( - wenn das nicht der anfang einer grossen karriere ist?!),
moneke


liebes tagebuch! (15.5.03)
seitdem es die geheime oktav von karin gibt und die leider noch nicht mal sichtbaren denn so geheimen notizen von guggi, macht das schreiben ja noch mehr freude. die verrückttanzend anmutenden gehirnwindungen meiner schwestern nun auch noch schriftlich nachlesen zu können, bestätigt meine ahnungen von ausbrüchen und auswürfen nun nochmal. WHATEVER! und jetzt habe auch ich mein eigentliches anliegen vergessen, warum ich etwas aufschreiben wollte. vielleicht war ich auch nur einfach so euphorisiert von karins pizzakochmetapher und habe mir gedacht: "ja, he, richtig, das kann ich auch!" wichtig ist, dass man sich utopische räume schafft, nach ihnen gräbt, sie fordert, sie aus sich herausbläst wie eine bombe, die als seifenblase getarnt ist, und selbst wenn ich nicht weiss, was ich dann mit diesem utopischen raum anfangen soll, kann ich ihn einfach freihalten.
frederic jameson (push the little button, namedropping, voll kotz scheiss) hat einmal in einem interview gesagt: "es ist für die leute leichter, sich das ende der welt vorzustellen - einen atomkrieg oder was auch immer - als das ende des kapitalismus. utopisches denken ist daher von entscheidender bedeutung...der utopische raum ist ein ort, an dem wir versuchen, alternativen zu entwerfen." und auf die frage, ob er ein utopisches projekt im sinn habe: " ich denke, wir müssen negativ, bei unserem unvermögen ansetzen. wir müssen zeigen, bis zu welchem grad wir uns dessen bewusst werden müssen, wie sehr uns die gesellschaft konditioniert und uns davon abhält, auszudenken, das ANDERE DINGE MÖGLICH SIND. das ist der anfang und danach folgen andere, vielleicht positivere dinge."
(das ganze interview gibts unter http://www.freitag.de/2001/10/01101301.htm)
so go on, mata hari des kapitalismus!
monikqc.


liebes tagebuch! (13.5.03)
soetwas wie gestern abend ist mir noch nie passiert: wollte mit meiner psychotherapeutischen feministin rose zu einem konzert. bargeldlos wie immer, versuchte ich im vorhinein abzuklären, dass es möglich sein würde, dass uns bargeldlos wie immer eintritt gewährt würden werde (konjunktiv des konjunktivs). so mache ich mich auf dem weg, ausgeschlafen, frisch frisiert und tanzwütig durch alle knochen und fasern meines tanzsüchtigen körpers. zusätzlich gute laune verschaffte mir mein walkman, den ich mehrfach hintereinander das lied "frauen am rande des nervenzusammenbruchs" für mich spielen liess. und dann betrete ich mit röschen gemeinsam das lokal, hüstel hüstel gästeliste? ja doch! name? ah, da unten! (juhu). und dann die frau hinter der kassa: ja, ihr steht auf der liste für gäste DIE ZAHLEN DÜRFEN!!!!schwupp, was wie? sowas hab ich ja noch nie gehört, gäste, die zahlen dürfen! das geld konnten wir und wollten wir nicht aufbringen, der deutsche melancholiker mit der gitarre interessierte uns ja wahrlich nicht sonderlich, denn einludln können wir uns auch selber. und dann machte das lied: "frauen am rande des nervenzusammenbruchs...sind ganz schön am ende, frauen am rande des nervenzusammenbruchs, gehen auf die wände. wenn du eine katastrophe bist und dein verstand dein herz zerfrisst...DANN BIST DU DIE FRAU AM RANDE DES NERVENZUSAMMENBRUCHS!!!! spürbar sinn, und aber auch wieder spass. dann haben wir uns unter ein 50cm breites dach gesetzt und dem regen beim fallen zugeschaut.

liebest tagebuch! (7.5.03)
geniessen soll man, sich erholen soll man, zu etwas bringen soll man es, fleissig sein und immer etwas pfeffer im arsch bei allem was man tut, glücklich sein obendrauf, das leben leben und es nehmen, wenn es kommt, wie es kommt. wie soll denn das alles in einem leben unterzubringen sein? bin ich gestresst, denke ich mir, neee, nicht mit mir, oder ich denke mir, wie gut, dass es soviel zu tun gibt für mich, oder ich denke gar nicht und lächle stupide vor mich hin und dann fällt mir ein: nöö, moment mal, nie wieder! und dann auch mal geniessen, aber nicht zu viel und zu ausgiebig, sonst könnte man ja auf die idee kommen, dass man in seinem leben immer nur faul herumsitzt und der zeit beim vergehen zuschaut. ich habe keine ahnung! ich will einen rhythmus in meinen wochenplan bringen, immer dann, wenn er nicht da ist, und sobald ein rhythmus sich bei mir einschleicht, werde ich schon wieder zappelig und um meinen hals wird es eng.
anscheinend bin ich mitten drin. und nichts fängt erst morgen an. und JA! natürlich will ich die revolution, die muss nicht näher definiert werden, denn das wort allein ist motivation und aufruf für eine ganze armee von mir. you'll met an army of me! gestern war ich übrigens das erste mal in diesem jahr baden. ein seltsames kleines bad, versteckt hinter einer tennishalle und so weiter, verlangt den preis der anonymität. w-h-a-t-e-v-e-r! jedenfalls war das bad voller nackter, alter männer, selbst der jüngste besucher dort war mindestens doppelt so alt wie ich. die fettbäuche überlappten die schon längst in pension gegangenen kleinen schwänze und die flattrigen alten ärsche bekamen erst durch den auftrieb im wasser die klassische halbkugelarschform. und was ich bis zu diesem zeitpunkt auch noch nicht wusste: schamhaare verlieren im alter ihre farbe. und noch mehr obendrein fühlte ich mich sehr wohl und anonym, irgendwie, ausser wenn ich mit vier nackten auf den auftrieb des wassers hoffenden denn erst dann knackärschen das wasser im kleinen becken teilen musst, schwupp schwupp, holte ich tief luft und hielt meine augen beim untertauchen fest verschlossen...etwas will ich wissen, aber alles muss ich nicht sehen. meine feministische brille habe ich immer dabei und ich frage mich, ob nachktheit in heutigen zeiten ein gutes mittel ist, sich von anderen isolieren zu lassen. vielleicht hat der körper mehr positives potential als man glaub und sollte nicht immer am schnittpunkt zu sexismus und ausbeuterei festliegen.
mein körper, die bannmeile.
...was für ein guter buchtitel das wäre. jedenfalls werde ich weiterrecherchieren und dabei immer wieder über mich selber stolpern und darüber, wie ich mir die welt gestern noch zurecht gelegt hatte. ich staune, jawohl, immer und immer wieder!


liebes tagebuch! (13.4.03)
no longer fit for kapitalismus. trainieren auch sie ihren arsch zu einem revolutionsarsch. never work. let the money work for you. hatten heute mit den schwestern eine frühstücksbesprechung um 9.30!und das an einem sonntag und das war gar nicht mal schlecht. und die sonne scheint auch wieder, drinnen und draussen. gestern haben wir uns den film "themrock" angeschaut. das hat sich ausgezahlt. genial! break down the walls that say you can't.
mit einem lauten revolutionsschrei und weiter weiter weiter
monique

liebes tagebuch! (11.4.03)
wenn der akt des scheiterns von uns schwestern zwar positiv besetzt wird, dann wäre ich doch furchtbar enttäuscht, wenn mein eigenes idealidentitätsprojekt sich nicht realisieren lassen würde. natürlich kann eine identität ja immer nur projekt, immer nur weg und nie ziel sein. ausserdem ist identiät ja eigentlich voll scheisse. was soll denn das genau überhaupt heissen? etwas, mit dem ich mich identifizieren kann. und muss identifikation immer etwas positives an sich haben? kann man sich nicht manchmal auch mit schlechtem identifizieren? und auch immer wieder infizieren, jawohl! und hat adorno nicht identiät als anfang allen übels gesehen? und was bedeutet dann der begriff "nicht-identiät" überhaupt? hab ich nun eine oder nicht, ist das dann gut, schlecht, wichtig, normal? was sucht man denn eigentlich? und warum will ich immer wo-hin und bin nie d-a? vielleicht werde ich das alles noch in den zukünftigen dawsons-creek-folgen lernen, bei reich und schön hab ich ja schon ausgelernt. auch mikunda setzt sich für ein lebenslanges lernen ein. und das wiederum erinnert mich an die cd von black spagetthi "stress no more". und das führt mich zu einem gespräch zweier vierzehnjähriger mädchen: "ich will nicht so sein, wie ihr mich haben wollt." und jetzt habe ich den faden verloren!
monika


liebes tagebuch! (1. april 2003, schönes beständiges wetter heute noch und morgen ist ein anderer tag)
"hi, bist du auch da um schokopos zu kaufen?" "Ja, ein langweiliger nachmittag in einer verkommenen kleinstadt."
"heisst das, du wirfst deine identität zum fenster raus?" fragte sie ihn, während er eifrig alle spielbergplakate von seiner wand nahm. "identität," antwortete er laut, "was denn für eine identität? bis zu diesem zeitpunkt wusste ich nicht mal, ob ich eine habe. und wenn ich auch jetzt nicht weiss, wo ich hin will, so ist mir heute doch klargeworden, dass sich in meinem leben etwas ändern muss." da schenkte sie ihm ein john-lennon plakat, mit dem lied "imagine" kam in ihren gesichtern ein kleines lächeln auf und mir das post-traumatische hippietrauma kotzen.

aber im allgemeinen liebe ich dawsons creek, und zwar die ganze verfickte sippe (anders kann dieser inzestverein nicht benannt werden) und kann absolut nicht genug davon bekommen! jede folge speichere ich ab, jeden dialog versuche ich zu inhalieren und in meinem leben dann anzuwenden, wie z.b. folgenden: "hallo, gehirn an dawson, jemand zuhause?" - oder so ähnlich. mit einem diesem genuss sehr ähnlichem schaue ich auch "reich und schön" - in allen ländern, auf allen sprachen. text bzw. dialog ist in dieser art fernsehen ja nicht von großer bedeutung. emotion und leidenschaft lassen sich an der sich in regelmässigen abständen wiederholenden szenendramaturgie leicht ablesen. immerhin habe ich schon, ich habe es mir letztens ausgerechnet, über 1000 folgen konsumiert. das sind 1000 mal 20 minuten. sind 20000minuten. dividiert durch 60...naja. aber lernen popernen vom fernsehen zum gernsehen! wie ist das eigentlich sonst so: wenn es eine entscheidung zu treffen gilt, deren entscheidung nicht nur grosse motivation voraussetzt, sondern die auch nach der entscheidung weiter motivation voraussetzt, sollte man diese entscheidung dann treffen oder nicht oder was?

ich werde mich wohl nie für ein diplomarbeitsthema entscheiden können. mann o !

gute nacht, mir reichts. nimm mich jetzt auch wenn ich stinke und life's a bitch and then you die und wer um alles in der welt ist oskar von wernherr, der mit madonna zusammen eine cd aufgenommen hat vor jesus-christ-vielen jahren und
nein, es ist nicht der v2-entwickler.

fragen, die ins nichts geschrieben und deren antworten mich ja auch nur periphär berühren würden. peng.
monick.



liebes tagebuch!
früüühling!!!! wie wunderwunderschön!!! yippie yeah, endlich habe ich wieder das gefühl, dass die welt sich an mir anschmiegen will. wie kitschig. aber auch wie schön. rhythmus. frühlingserwachen. jaja, stellen sie sich ruhig mal die frage: "hormone, wie krieg ich euch unter kontrolle?!" denn jetzt ist es wieder soweit: hormoninvasion auf der parkbank.
und bitte immer schön vorne auf den mund.
moniQUE


liebes tagebuch! (irgendwann drei wochen vor der woche die mit osterschinken endet, habe ich mir heute morgen sagen lassen)

frühlingserwachen. habe mich heute unter das pensionäre volk gemischt und mit ihnen den parkbankparkteil geteilt. enten füttern, kopftücher, kinderwägen, dicke hunde, alte bäuche, braune schuhe, weisse haare. und wenn ich dann meine nase in die sonne halte und mir überlege, ob ich nicht pro sommersprosse, die ich in den wärmeren monaten des jahres zustande bringe, bezahlt werden könnte, belausche ich die herren und damen einer anderen welt, und denke mir dabei, dass auch sie sich irgendwie fremd fühlen müssen. mache ich sie mit meiner gegenwart zu einem bestandteil meiner welt, in der sie sich auch fremd fühlen?
und wenn nicht, warum neige ich dann dazu, mich eher in ihrer welt fremd zu fühlen als in einer, die ich als die meine bezeichnen würde, zu hause?
und werde ich das alles je wieder nachvollziehen können?

vermutlich ist es heute einfach schon zu spät und meine dunkelrosaroten wangen könnten eigentlich auch auf einen leichten sonnenstich verweisen wollen. aber wer kann das einem denn schon sagen, wenn man ganz mit sich alleine ist.

wo mir wieder einfällt: wer tanzt, ist mit sich selbst zu zweit! ich erscheine, wenn auch mit mir alleine, so doch zahlreich.
adieu et bonne nuit,
eine müder knopf.


liebes tagebuch! (17.3.03)
montag. unsere retrospektive war von unserer sicht aus gesehen ein voller erfolg. wir waren nicht chaotisch, wir haben den faden nicht verloren, JA, wir haben es sogar geschafft in kürzester zeit auf den punkt zu kommen. unsere fetten goldenen ohrclips, die wir immer in unseren handtaschen mittragen um sie bei bedarf quasi als waffen anzulegen, um einem gewissen verständnis von seriosiät und überkommener altklugheit entgegenzukommen, haben wir nicht mal gebraucht. und unsere neue achselhaartoupet-kollektion ist richtig gut angekommen. vielleicht ist das positive an dem kunst-kontext-bereich-blabla, dass man mit einem gewissen mass an aufmerksamkeit rechnen kann. und manchmal tut bekundetes interesse sehr gut. bei narzisstisch veranlagten mitmenschen kann das schnell zum sich-gegenseitig-mit-eigener-scheisse-beschmieren führen. durchatmen. soweit sind wir noch nicht. umso mehr freu ich mich auf das "kunst für kakerlaken-projekt" der monochroms, wo der all-inclusive-club für kakerlaken, mit poolbar, plastikmännchenanimateuren usw. auf cocroach-island innerhalb eines monats von den vielfüssigen bewohnern richtig zugeschissen werden wird. how beautiful! oder as the germans would say - unappetitlich. frottagehaftes sichtbarwerden. es gibt nun mal eine überdurchschnittlich hohe arschlochquote auf dieser welt und dementsprechend viele nebenprodukte!

eigentlich sollte ich ein diplomarbeitsthema in meinem kopf einnageln, einbohren. aber as unstrukturiert as i am ist auch alles, das aus mir kommt. die mir einst zugesteckte glückwunschkarte "meinem lieben kleinen deprogrammerino monika alles liebe und gute zur erfolgreichen neuordnung ihrer gedanken" ist nun auch schon über ein jahr alt.
seitdem hab ich ähnliches nie wieder gesagt oder geschrieben bekommen, geschweige denn, dass dies meiner selbsteinschätzung entsprechen würde... aber wie egal ist das denn! jetzt, wo ich weiß, dass das wirkliche leben schon immer stattfindet. und ich dachte immer, es käme erst danach.
HA! voll daneben, voll im leben.
moni baby brüll lauter und greller als große

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liebes tagebuch! (9.3.03)

der schwesternstreit hat sich gelegt und wir stecken unsere nasen wieder in gemeinsame sachen. immerhin haben wir ja auch jede menge zu tun.
zuerst müssen dinge gefunden werden, dann besprochen und analysiert, dann definiert und dann kritisiert werden. wir verfassen nämlich gerade unseren ersten katalog, um mal zu schauen, wie so etwas ausschaut. wir über uns. "schwestern brüll. die erste grosse retrospektive." haha, ich lach mich schief ehrlich gesagt. darin werden unsere einzigen zwei dinge, die wir als "kunstwerke" deklarieren - die auch den einleuchtenden titel "kunstwerk 1" und "kunstwerk 2" tragen - präsentiert.
und alles andere auch. und sogar noch mehr. genau gesagt gibt es dinge, die gut und von uns sind und dinge, die zwar gut aber nicht von uns sind. denn auch soetwas sollte in einer retrospektive präsentiert werden. es ist ja nicht so, dass nichts von irgendwo herkommt bzw. eigentlich umgekehrt.

blablabla. ich bin so müde und esse jetzt ein schlabbriges dany+sahne, wobei mir bei dem gedanken daran ja schon eher sehr übel wird.
und da fällts mir wieder ein: ich könnts ja auch einfach bleiben lassen.
ach, so ist sie, die individuell bestmöglichste lebensgestaltung!
deine monicka

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liebes tagebuch! (04.03.03)
schwesternstreit im hause brüll. wie doof! dabei sollten wir uns mit bikini und schwimmreifen an unser sonniges ideenpool legen, cocktails schlürfen und alle 50 sekunden einen ideencontainer gegen das patriarchat starten lassen!
vielleicht hat uns das wort selbstreflexivität den gar-aus-gemacht (was für wort!!!) und unsere ideen sind fette, faule sabbernde ungeheuer geworden, die uns unfreundlich ins gesicht pupsen, sodass wir keine luft mehr bekommen und durch den hohen pupsdruck gegen die wand geschleudert werden. eine gratwanderung zwischen kunst und kindergarten, dabei wollen wir weder das eine, noch das andere, und die frage warum will ich schon gar nicht mehr hören. immer warum-warum-warum: ich weiss es nicht. und "es ist halt so" ist sehr wohl eine antwort, donnerwetter! einfach so.
am anfang war das machen alleine ein personal-aphrodisiakum de luxe, da konnten candlelight, hormonlanzen und co. einpacken, jetzt, wo das dynamit von alleine brennt und wir vorne oben sitzen wie münchhausen auf seiner bombe, die richtung zwar lenken wollen, aber... und schon wieder weiss ich nicht weiter und kann das gar nicht genauer erklären. verflixte bildsprache, wie soll ich da jemals auf den inhaltlichen punkt zurückfinden? jedenfalls werden wir uns gegenüber immer kritischer, am anfang war alles ein "lass-mich-auch-mal-laut-pupsen". jetzt hat das ganze projekt eine eigene dynamik, hü hopp, wir ihm hinterher und wechsel, vor zurück,
juhu auweh, will mehr und dann will einer doch nicht mehr.
ladies, ladies, raus die waffen und immer locker bleiben, sag ich, immer locker bleiben.
vermutlich herrscht im brüllschen universalkochtopf einfach etwas überdruck!
dadurch erhitzt sich eine sache zwar schneller, kann aber vor lauter hitze auch explodieren. dann müssen die verstreuten einzelteile erst mal wieder zu sich finden, bevor sie sich auf einem tellerchen wieder neu ordnen können. servierfertig werden, sozusagen. sind druckkochtöpfe eigentlich eine erfindung in zeiten der 70er frauenemanzipationswelle?
mann o, wo das noch hinführen wird. technisch gesehen zur mikrowelle, aber für mich persönlich?
deine ein centimeter grosse auf einem stuhl für riesen sitzende und nicht zum essen kommende, weil der löffel so schwer und der tisch so hoch, von den eichhörnchen grossen riesenviren sich bedroht fühlende und sich nach dem brüllschen universaldruckkochtopf sehnende,
monique.

liebes tagebuch (18.02.2003)

ich habe bemerkt, dass es in meinem kalender nur termine gibt mit sachen, die ich gerne machen würde, also keine pflichttermine sondern wunschereignisse. und darauf baut mein leben auf!!?
na dann: guten morgen,
monique le freak (übrigens der titel eines supergenialen ween-songs).
aber jetzt, wo das finanzamt durch das beendigen meiner kinderbeihilfe mich in die erwachsenenwelt entlassen hat, wird es wohl zeit. aber zeit wofür?
ich finde mein leben rhythmisch betrachtet sehr angenehm. es ist schlecht bis gar nicht geplant. aber seien wir uns doch ehrlich, wenn man sich auf nichts verlassen kann, vor allem nicht auf sich selber, was nützt dann all die gute planung.
und dann ist man eben wieder drei bis vier tage lang unzufrieden, mit all dem, was man macht und mehr noch mit dem, was man nicht macht und beginnt wieder zu planen oder ist so unzufrieden, dass man sich selbst dazu nicht mehr aufraffen kann.
jedenfalls geht es immer um etwas, das sein soll, das noch nicht ist, das werden könnte, das man haben möchte oder machen möchte. meine zukunft scheint in sich selber steckenzubleiben oder den punkt, an dem ich auf sie in der gegenwart warte, immer zu verpassen. dabei handelt es sich bei mir eigentlich ja eher um ein warten auf godot. ich warte auf eine vorstellung, die gar keine ist.
aber an welchem punkt ist etwas schiefgelaufen? oder folgt mein leben dem etappenweisen sich zu tode leben von otto normalverbraucher (genauso wie ich diese bezeichnung hasse, hasse ich die soeben beschriebene vorstellung.)?

meine erste erinnerung setzt mit drei jahren ein, als meine mama und ich spazierengehen, über eine brücke.
aber lassen wir das eventuell symbolische, das sich hier einschleichen möchte. ab meinem siebten lebensjahr hab ich mich intensiv um alles gekümmert, das ich als lebendig+schutzbedürftig oder tot+schutzbedürftig eingestuft habe.
ich habe ein bienen- und wespenkrankenhaus eröffnet, die abgestürzten tierchen aufgesammelt, in bettchen aus watte gelegt und mit honig verwöhnt - ein tödlicher fehler, wie sich herausgestellt hat. doch als biene-maja-gläubige, war ich der meinung, fertiger honig ist die lieblingsspeise aller bienen. immerhin hat sich maja jedesmal gefreut, wenn sie in den überdimensional großen topf voller honig gekippt ist. meine fürsorge hat diese tierchen getötet, kann man zusammenfassend sagen. "ich wollte ja nur das beste...", so die angeklagte. neben dem hospital für abgestürzte flugtiere, habe ich kaulquappen zu fröschen aufgezogen (von vier kaulquappen ist nur eine durch die aquariumsdekoration gestorben, aus einer anderen wurde ein kleiner roter frosch, vor dem ich mich unendlich viel gefürchtet habe, die zwei restlichen habe ich dann dem offenen gewässer übergeben, nachdem mir die verwandlung der ersten kaulquappe solchen schrecken eingejagt hatte.) und dann gab es noch meine lebendige weinbergschneckensammlung. zwei versuche gab es. meine motivation war rein ästhetisch begründet, es gab keinen selbsterkorenen rettungsauftrag. über meine erste sammlung (5 vor und über sich hinkriechende schnecken von einem kreis aus steinen umgeben, eine quasi "natürliche grenze", von mir errichtet) ist meine große schwester gelaufen, die damals schon schuhgröße 37 hatte und somit alle 5 schnecken mit einem schritt erwischt hat. beim zweiten versuch sind die tiere über nacht gemütlich über den steinkreis in die freiheit gekrochen. so sind mir auch immer die mäuse entkommen, weil die luftlöcher, die ich in ihrer schlafschachtel vorgesehen hatte, immer 1:1 proportional zu ihrem körper- durchmesser waren.

neben den kleintieren widmete ich mich auch den größeren wald- und wiesentieren. innerhalb dieser gruppe aber vorzugsweise den toten. so sammelte ich alle von autos überfahrenen igel in plastiksäcken und vergrub sie auf einem acker. nach einigen tagen waren die gräber mit ihren kleinen holzkreuzen von maden und engerlingen bevölkert. da ich zu dieser zeit auch ministrantin war, wurde ich ziemlich stutzig, was das thema auferstehung betraf. immerhin lagen die toten tiere in gewisser weise ja noch immer da, aber sie sahen nach einigen tagen noch schlimmer aus als nach ihrem zusammenstoß mit einem kraftfahrzeug. also keine spur von auferstehung, schönheit, hellem licht.
und ich habe den kirchturmboden von toten fliegen befreit. ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass ich die alle beerdigt hätte. und wenn, dann bestimmt nicht in einzelgräber, massengräber wären bei angegebener menge empfehlenswerter.
jedenfalls erkannte ich schnell, dass viele dinge einfach nur so gesagt werden und dabei nie eins zu eins eintreffen. und ich nahm immer alles wörtlich! auferstehung zum beispiel. oder die sache mit dem honig und den bienen. und das in den himmel kommen.
neben der seltsamen gotthaften (ich als göttin über die von mir errichtete tierwelt) beziehung zu kleintier, hatte ich auch einen lieblingsbaum, die von mir den gleichen namen bekam, wie die lieblingszofe von kaiserin sissy. und meinem hund lernte ich, auf den baum zu klettern und auf dem friedhof spazieren zu gehen, inklusive gräber anpinkeln. und über die tiere, in deren leben ich auch mitmischen wollte, aber nicht konnte, schrieb ich geschichten.
über pelikane, regenwürmer (die gab es zwar, aber nicht immer. und viel zu viel vertrocknete exemplare nach sommerregen) und andere.
mit neun jahren bekam mein naturinteresse ein globaleres ausmaß. ich erfand, inspiriert durch mein lieblingsbuch "was ich tun kann um die umwelt zu retten", das ich neben meinem yps-spionageausweis immer bei mir trug, das "rette den regenwald"-spiel. dafür sammelte ich in der ganzen ortschaft unterschriften, die noch heute in meinem kinderzimmer, zusammen mit dem entworfenen spielplan, den dazugehörigen spielkarten und meinem spionageausweis (man weiß ja nie, was man noch mal brauchen kann)liegen.
gelegentlich wandte ich mich auch an "rat auf draht", die mir aber nie wirklich weiterhelfen konnten.

in meiner freizeit versuchte ich regelmäßig, bei der sendung "wurlitzer" durchzukommen. da ich es kein einziges mal schaffte, stellte ich mir vor, dass es wohl an der großen distanz zu wien liegen musste. es ging mir auch eher um das durchkommen als darum, dass ich mir ein besonderes lied wünschen wollte. um mein globales umweltengagement mit etwas hippie-inspiration zu verstärken, kaufte ich mir mit elf jahren meine erste john lennon platte. um 90 schilling. das fand ich schon damals cool, obwohl ich das wort zu dieser zeit noch gar nicht kannte.
um den golfkrieg kümmerte sich meine freundin in der schweiz, die saddam hussein in einem ausführlichen schreiben an mich erhängen wollte - plan beigelegt. sie überzeugte mich mit ihrem vorhaben und so konnte ich mich weiter um den umweltschutz in meinem regionalen und globalen umfeld kümmern.
ja und die ozonlöcher und das böse fckw. natürlich war ich dagegen und liéß zu hause alle spraydosen verschwinden. danach ließ man auch das fckw verschwinden. ich nahm an, dass ich dafür verantwortlich sei, behielt es aber für mich. genauso wie ich glaubte, dass ich kugelschreiber erfunden hatte und dass es meine idee war, pullover nicht länger in die hose zu stecken, sondern locker über der hose zu tragen.
irgendwann ist mein glaube, dass ich die erde retten könnte, immer kleiner geworden. vermutlich lag es an der mangelnden unterstützung, immerhin gab es in unserem umweltschutzclub nur drei mitglieder - nicht einmal meine schwestern beteiligten sich.
so verlagerte ich meinen schwerpunkt auf die politik. zuerst wollte ich aber die begriffe "sozial" und "sozialismus" bei einer wanderung von meinem papa erklärt wissen. danach wusste ich, was ich wollte, die bezeichung "national-sozialismus" konnte ich nicht zusammenbekommen, sozialismus speicherte ich unter gut, mit national zusammen unter böse.
also schrieb ich von meinem sommerurlaubsort am weißensee postkarten an radovan karacic, damit der krieg=böse aufhören würde. danach merkte ich, dass ich mich besser organisieren musste und traf mich daraufhin wöchentlich mit einer gruppe ausgewachsener althippies und amnesty international mitglieder, um briefe an menschen in todeszellen zu schreiben bzw. petitionen für ihre freilassung zu unterschreiben. meine freundin und ich waren die einzigen in dieser gruppe unter 40 jahren. aber das war mein letztes internationales engagement und auch das ende meines globalen denkens. was mich damals wirklich berührt hat, kostet mir jetzt einen hoffnungslosen seufzer. hat die welt also gegen mich gewonnen? ich habe meinen gegner wohl falsch eingeschätzt, gebettet in einer hülle aus idealismus. so ganz ist diese hülle, vermute ich, noch immer nicht weg. vielleicht ist es nur etwas anders: zwischen 6 und 17 war es das natürlichste, dass man sich darum bemüht, das unmöglichste möglich zu machen. ja selbst das unmögliche gab es ja gar nicht. die erde drehte sich um mich und ich war wichtig für die gesamte welt, zu merken, dass das alles falsch gedacht ist, war genauso schockierend, wie der tag, an dem mir meine schwester erklärte, dass die erde ein planet!- ein planet unter vielen ist, und dass sich dieser planet, auf dem wir sind, um die sonne -und nicht umgekehrt- dreht. vielleicht hat auch das thema liebe und das erörtern und mögliche lokalisieren der großen liebe meine beschäftigung mit globaler humanität abgelöst. wenn alle davon reden, dann muss man eben auch selber nachforschungen anstellen, so wie damals mit den kaulquappen. so sterben kaulquappenherzen und menschenherzen und aber niemals etwas wortwörtlich nehmen, denn so ist es nie. die sprache ist eine ideologische falle. tapp tapp, mein idealismus hat sich in der sprache verfangen, in einer sprache, in der immer alles möglich ist, doch zwischen dem gebetsartigen eingetrichterten "man muss nur wollen" und der praktischen umsetzung von dem, was man wirklich will, also dem ganzen leben, liegen welten.

mit dem verliebtsein hat die ichbezogenheit begonnen, würde ich jetzt mal sagen. anstatt den unfairen lauf der welt tagtäglich aufs neue aufzuzeigen und behindern zu wollen, beginnt man damit sich zu beobachten und unpolitische freizeitbeschäftigungen für zu zweit auszudenken, wobei bei der auswahl immmer die möglichkeiten miteingedacht werden mussten, unter denen die bedingungen für händchenhalten und küssen optimal sein würden. und so setzt man alles daran, dass sich die sonne doch um die erde dreht.

worauf ich anfangs eigentlich hinauswollte, hab ich jetzt schon wieder vergessen.
aber wie gesagt, so ist das mit plänen.

gute nacht.

 

liebes tagebuch! 30.1.2003
wow, ich habe das gefühl, dass ich w-i-r-k-l-i-c-h viel zu tun habe! generell ist das ja gar nicht so einfach
zu bekommen dieses gefühl, jedenfalls für mich, da ich meine eigene frau bin, d.h. all das, was ich tue, tue
ich für m-i-c-h. ja, manchmal helfe ich auch den anderen. immerhin war ich vor langer zeit ministrantin,
feministisch, versteht sich, entweder die kirche oder ich, wer wohl von uns zuerst zusammenbricht?

themenwechsel: morgen startet der container. nun gut, solange dinge nicht in den nächsten 30 sekunden starten,
bleibt immer noch genug zeit für schlaf, vorbereitung, überlegung und ein bier.
ich merke, dass ich vergessen habe zu schreiben, von welchem mysteriösen container ich da rede. die rede ist
von unserer morgigen radiosendung mit dem thema : das erste mal (vermutlich das mysteriöseste und
offensichtlichste an der ganzen sache).
panik vor sprachausfall oder gesprächsbreakdown? weniger (obwohl ich ja im öffentlichen raum sowie im privaten
rahmen große schwierigkeiten damit habe, sätze zu beenden. subjekt-prädikat-objekt-punkt/beistrich-kausalsatz/
eventuell. theoretisch ja babyleicht, aber die plastizität meines gegenübers, realtime und co. lassen mich
zeitweise ganz schön erstarren. außerdem bin ich es nun mal von zu hause gewohnt, dass sich da immer jemand
findet, der meine angebrochenen sätze zu ende führt. manche dinge werden ja nur der form halber laut
ausgesprochen. dabei kann man sich ja angeblich mit manchen menschen schweigend unterhalten. was die
geräuschkulisse in der öffentlichkeit schön dezimieren - was ist d-a-s jetzt wieder für ein wort- könnte. hä?
ich komme von irgendwas ab...)
ahja: nein, keine angst vor sprachausfall und schweigeminuten, die als schwestern brüll über den äther gehen.
immerhin unterhalte ich mich mit meinen schwestern nun schon seit 24 jahren, mit mehr oder weniger erfolg,
woraus ich schließen kann, dass ich wohl mit niemandem in meinem leben so viel geredet,
ja , vielleicht sogar besprochen habe, wie mit meinen zwei schwestern, oldies but goldies.
vermutlich reihen sich sogar meine selbstgespräche in dieser gesprächsstatistik in der
zweiten reihe ein. ja, vielleicht, liebes tagebuch, wäre nichtmal all der geschriebene text in dir vorgelesen
so viel zeit okkupierend wie - ja - wie die gespräche mit den schwestern.
wer schwestern als partner fürs leben schätzt, sollte jesus heiraten.
der stellt sich zur verfügung für alle fräuleins, die nicht leer ausgehen wollen.

ich habe viel zu tun, jetzt fällts mir wieder ein. aber dieser computer macht mich wahnsinnig. seit dem er
die zehnjahresgrenze überschritten hat, führt er sein eigenleben und schaltet sich ab, wann immer es ihm passt.

ach, liebes tagebuch, ich bin ja schon gespannt auf morgen. das erste mal. daran wird man sich für gewöhnlich
auch später noch erinnern können.
in meinen träumen sind wir dann feministische jungrevolutionärinnen mit ihrem eigenen piratensender,
den wir im parlament, nachdem wir es gestürmt haben und die regierung nach irkutsk verlegt haben, aufbauen.
selber werden wir uns in diesem hässlichen gebäude natürlich nie aufhalten, aber es gibt dort bestimmt
guten empfang.
nee, besser wäre ein piratensender auf dem hundertwasserturm, übrigens auch hässlich, bei der müllverbrennungs-
anlage. jawohl.
träume und initialzündungen sollten sich sehr ähnlich sein.
es gibt noch viele zentren der angst, die nur darauf warten, von uns erobert zu werden.
also los!


deine
moni babybrüll


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liebes tagebuch! 29.1.2003

habe mir gestern den dogmafilm (ja, echt mit zertifikat) "open hearts"
angeschaut. ein angsteinfloesendes horrorszenarium, das hier
beschrieben wird.

und ohne special effects, quasi und im wahrsten sinne des wortes ungeschminkt,
wirkt alles umso überzeugender realistischer (eigentlich ein superlativ zum quadrat!) auf mich,
umso realistischer scheint mir nun auch meine überzeugung :

niemals zusammenleben, niemals kinder, niemals heiraten (was ja im übrigen dann schon egal wäre) -
denn schon bei dem gedanken daran, denke ich nur an unglück unglück unglück, das
unvermeidlich ja i-r-g-e--n-d-w-a-n-n (nachdem alles mit harmlosem schmusen begonnen hat) eintreffen muss.

im vorhinein graut es mir dann schon vor paranoider liebe!
in jedem glücksmoment das fallbeil im nacken spüren. der film erinnert mich an den lou reed song über
das damokles-schwert.

und zusätzlich hat mir dieser film bestätigt, wie recht ich mit meinen aus dem dunkeln immer wieder
heraufmurmelnden vermutungen doch eigentlich haben könnte!
wo genau das glück und der humor in all dem unglück gelagert ist (immerhin sprechen einige kritiken
von einem "nie depressiven drama" (zitty) oder gar von einem "unsentimentalen Melodram voller Humor"
(inforadio)!), kann ich so nicht gerade gut feststellen.
sind es die neuen möbel, der hauptdarsteller oder wie bekanntlich - das glück im unglück im unglück (es heisst
ja auch "hans im glück", und nicht "hans im unglück" - aber worauf baut sein glück denn auf?)
oder ist jetzt im nachhinein alles gar nicht mehr so schlimm?
wie beruhigend scheint da folgendes kommentar "so ein kunststück bekommen zur zeit wohl nur die dänen zustande."
(märkische allgemeine)
vielleicht heisst es in den nordischen ländern ja nicht umsonst, dass dänemark das kärnten skandinaviens sei.

ich finde den film taurig und hoffnungslos. und diesen eindruck vermittelt er in aller einfachheit.
sind nordische länder fatalistischen strömungen aufgrund ihres klimas eher zugeneigt?

manchmal scheint und ist eben alles ausweglos - aber egal, denn sinn macht die sache ja ohnehin keinen.
nichts anderes ist wohl auch oft von diesem leben zu erwarten.
und trotzdem gibt es manche momente, nachmittage, vormittage oder ganze tage.......
und da fällt es mir dann wieder ein, wo das glück dazwischen liegt und wie es sich anfühlt.

ach wie poetisch grausamkeit doch sein kann!

deine monika brüll


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Liebes Tagebuch! (20.1.2003)
Was für ein brüllender Wochenendausklang!
Brüllen vor 700 Leuten im angestaubten Audimax! Brüllterror de luxe!
Jetzt kann ich für heute mal nicht mehr.
Aber morgen wieder... liebes tagebuch!
zeige karin gerade, wie der computer funktioniert. ihre ahnung ist begrenzt. aber das wird schon. und das reicht zur demonstration. und doch noch was:
die regierung stürzen.lalalala.