collabor.at | playground  >  collaborat_hp  >  schwestern_bruell  >  vermischtes  >  diary  login 


verehrtes arschgeigenorchester! 6.4.2004, 17:10

die tragisch-schrägen momente im leben einer assimilierten babyunke:

der gärtnerinnensalat aus dem supermarkt hängt in einem dünnplastiksack am handgelenk. durch den wind dreht sich das grüne blättrige ungeheuer und windet sich um die eigene achse und
somit droht es meine pulsadern abzuschnüren. seither hege ich eine unbändigbare angst vor grünem salat egal welcher sorte.
um der salatangst und dem bedrohlichen salat-abteil im supermarkt zu entkommen, praktiziere ich ballettartige hochgeschwindigkeitsübungen damit mein blickfeld verschwimmt und das grüne
zeug nicht mehr als salat wahrnehmbar ist. nicht jede/r supermarktverkäuferIn kommt damit super klar. und auch für mich ist die sache nicht leicht durchzustehen.

in liebe und bruell
katharina bruell
___________________________________________________________________________________
verehrtes arschgeigenorchester! 4.2.2004, 20:19

februar hat angefangen und ich fuehle mich elendig.
etwas macht mir koerperlich den garaus.
versetzt mich in tiefschlaf, gebueckte haltung und unlust.
in solchen momenten klammert frau sich an ein stueckchen insel.
und das nicht nur weil hinter meinem ruecken am bildschirm leo caprio in the beach sein unwesen treibt.
eine faser aufgeregtes leben. doch weiche von mir jammertal.
zur ablenkung unterziehe ich mich der aufgabe, herauszufinden, was eigentlich mit frauen passiert, die sich mit einem phallus schmuecken und diesen als pinsel benuetzen um auf einer leinwand malkunst zu produzieren.
was mit der leinwand passiert scheint relativ klar: sie wird zu einem phallischen kunstwerk.
doch was wird mit den frauen? welches gefuehl widerfaehrt einer da?

denkpause.


in liebe und bruell
katharina bruell

######################################################################################
verehrtes arschgeigenorchster! 21.12.2003, 18:00

schon bald, meine verehrtesten arschgeigen, heisst es fuer uns alle wieder, unsere arschgeigen zu schwingen.
...wir, die oh-chri-sten-heit und auch meine atheistischen freunde aus slowenien sind dem weihnachts-tra-ra erlegen und geben sich hin, bis der hoehepunkt am 24.12. erreicht ist.
wir schwingen unsere arschgeigen und zwar im rhythmus der am abgeschnittenen und bald toten nadelbaum reitenden kerzen, im rhythmus des im winde bedrohlich schwankenden
weihnachtsstrassenschmucks, im rhythmus des nudelbretts, das zur keksfabrikation herhalten muss, im rhythmus der in der winterkaelte schwingend laeutenden kinderrotzglocken.
doch lassen wir uns von diesen stimmungstagen nicht einlullen, denn sie werden unsere arschgeigen in bewegung halten, bis wir alle nicht mehr koennen und und nach der letzten bratenfressorgie
am letzten weihnachtsfeiertag in form von explosionsspuren an der wand nur mehr als fettfleck zu erkennen sind.
gebt nicht auf und ueberlegt euch strategien des widerstandes.
sagt nein zu weihnachtskeksen, hirschbraten, weihrauch, christkindgeschichten, blockfloeten und weihnachtsgesang.
haltet augen und ohren offen.
solltet ihr euch nicht sicher sein, ob es nicht schon zu spaet ist, koennt ihr das spaetestens am 31.12. merken, wenn ihr euch mit einer portion sauschaedel am teller
den silvesterstadl auf der zunge zergehen lasst.
seid auf der hut und fuerchtet den hund, wie die alten roemer zu sagen pflegten.
liebe arschgeigen, wir brauchen euch auch im naechsten jahr mit aufnahmefaehigen maegen und neuen ideen und gehirnen-on-air.
im uebrigen bin ich der meinung, der sauschaedel-komplex muss zerschlagen werden!

in liebe und bruell katharina bruell

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
verehrtes arschgeigenorchester! 20.11.2003, 22:06

es ist herbst. und es geht abwaerts. und es ist ein langer und stetiger fall. nicht umsonst heisst herbst im englischen 'fall'.
die kleidungsschichten an unserem koerper nehmen taeglich zu. kleine haarschoepfe quellen manchmal unter einer acrylhaube hervor und stehen elektrisiert zu berge oder sonstwas.
in unseren strickpullis haben wir uns schon in den vier waenden mit dem dach eingerext.
und denken darueber nach, herauszufinden, was denn im sommer so anders war.
bestuerzung, bestuerzung - jammerlaeppisch, jammerlaeppisch.
schnell was machen zur ablenkung.
nur nicht in den sommer-verherrlichungs-teufelskreis geraten. denn immer sommer ergibt sich eines aus dem anderen.

und ich setze mir zur naehmaschine und trete auf das pedal, was das zeug haelt.
das, was ich derzeit jahreszeitbedingt an bewegung weniger mache, trete ich kilometerweise an meiner naehmaschine ab.
dazwischen esse ich eine alte kalte kartoffel, die ich in der kueche finde.

kartoffeln und naehmaschinen. mich ueberkommt ein irland-gefuehl.
und in meinem mund macht sich der geschmack von irish stew breit. ich muss ruelpsen. und in dem moment faehrt die gaensehaut arschwaerts ueber meinen ruecken.

und dann eine liste anfertigen von dingen, die ich gerne habe.
eine empfehlenswerte liste fuer vergessliche und verdriessliche wesen, die jede immer bei sich fuehren sollte anstatt der chemischen happy pills.
autogenes training geht vor.

zuoberst steht dort das wort "verheddern".
ein wort, das sonne in mein leben bringt.
es bereitet mir schon allein vergnuegen, dieses wort vor mich hinzusagen. doch wenn sich dann tatsaechlich jemand in etwas verheddert, bringt das meine glueckshormone zum ueberschwappen.

dann steht dort bauchtanz. ich nenne es so. es ist eine form von wildem schwanken mit den hueften, wobei frau beinahe das gleichgewicht verliert.
das tut sehr gut und verursacht ein gefuehl von welle im erdboden.

dann steht dort 'gelb' und 'gruen', die vor depression rettenden farben. alles anstreichen und umstreichen.

und fußtritte geben.

und adios und weg war sie.







____________________________________________________________________________________________

'verehrtes arschgeigenorchester! 2.10.2003 , 22:13

zwei monate um. ich meine, die zeit ist reif und auch in euch sollte was reif geworden sein.
um reife zu erlangen, geben wir uns verschiedensten hobbies hin: im herbst hat das oft was mit ernten zu tun. wir ernten eine zwetschke,
eine papierschlange, einen blumensamen, einen maiskolben, eine gerste, ein hanfkraut oder gar raps und danken. und zwar der ernte.
das ganze heisst dann erntedank und kuemmert eigentlich auch niemanden.

derzeit verursacht mir das thema gesundheit magenbeschwerden.
schon daraus geht klar hervor, dass sich durch naehere betrachtung dieses topics einige teufelskreise oeffnen lassen, die eine aufrechtgehende
zweibeinerin fuer laengere zeit in einer langzeit-hals-schlinge baumeln lassen koennen.
was sich ja dann wiederum negativ auf den gesundheitszustand auswirken koennte.
das in buechern wiederum als psychosomatik abgehandelt wird und von schulmedizinerInnen meist unberuecksichtigt bleibt, wobei ich mich dann vom arzt wiederum nur als koerper erkannt fuehle.

so bin ich eines morgens aufgewacht und wollte klarheit.
die sache muss systematisch angegangen werden.
also verfasse ich eine liste aller derzeit vorhandenen koerperlichen schmerzen.
1. kaputte nasenschleimhaeute, die es sich zur aufgabe gemacht haben, krustentiere in gelb-rot-brauntoenen zu erzeugen. wahre rotzpopelige meisterwerke.
2. ein hohlkreuz mit schmerzen und einem kranz aus krampfmuskelreifen rund um die lendenwirbelsaeule.
3. einige verformte zellen, die enorme aufmerksamkeit brauchen, obwohl sie unbemerkt sind und keine koerperlichen schmerzen verursachen und somit auf dieser liste nichts verloren haben.
4. ein bockiger zeigefinger, der es mir schmerzhaft verbietet , mein bier aufzuschrauben.
5. abgenagte finger, die ein abwaschen ohne gummihandschuhe unmoeglich machen.
6. magenschmerzen, die meiner aufrechten haltung schaden, was wiederum dem hohlkreuz dienlich ist.

summa summarum: sechs permanente koerperliche beeintraechtigungen. das ist zuviel.
so starte ich meine tour de docteur, um der verdammnis auf den grund zu gehen.

ich beginne mit dem besuch bei einem tcm-traditionelle chinesische medizin-doktor.
meine leber sei blockiert. ich denke mir, verdammt, also tatsaechlich zuviel alkohol.
doch der meint, die 'chinesische leber'. verstaendnisvoll nicke ich mit dem kopf und sehe vor meinem inneren auge eine art inneres organ, der leber aehnlich, mit den augen eines chinesen. die poren der augigen, chinesischen leber sind verstopft und tragen sich wie akne.
ein grauenhafter anblick.
ich verlasse die ordination und stuerze mich in eine krise.
als ausweg aus dem dilemma begebe ich mich zu einer schulmedizinerin.
ich beschreibe ihr alle schmerzen. fuer das meiste findet sie ein mittel. orale schmerzbeseitigung. und fuer den rest schreibt sie mir ueberweisungen.
massagen, roentgen etc.

ein arztbesuch nach dem anderen. schon bald verlagert sich die konzentration vom schmerz auf die moeglichkeit der manipulation von aerztInnen.
ich beschreibe den kreuzschmerz lebhaft und kann somit die massagen gegen das hohlkreuz verlaengern.
und so weiter.
und schon bald weiss ich, wer die chefin meines schmerzenden koerpers ist: nicht die lustige pillendreherin, der ich mein schicksal in die hand legen wollte. nein, ich selbst und auch in der ordination von onkel doktor bin ich der chef.

so, ihr arschgeigen, ich rate euch, nur nicht das ruder aus der hand zu geben, denn das bringt uns einen schritt naeher, den loeffel auch noch abzugeben...

in liebe und bruell
ihre katharina bruell

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°ZZZ°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

liebes arschgeigenorchester! 10.8.2003, 12:45

es ist sonntag.
ich nutzte die fadenscheinige langeweile dieses morgens zur verringerung der hornhautmassen auf meinen fuss-sohlen.
sonntag ist koerperpflegetag und samtpfoetchentag.

doch soll es jetzt um das mysterium gehen.
und damit meine ich menschen, die auf den ersten blick etwas mysterienhaftes ausstrahlen.
mysterien sind geheimnisvoll und erkennt frau meist auf den ersten blick.
die anwesenheit von mysterien-figuren erfuellt uns mit neugierde, interesse, spekulationen und respekt.
mysterien koennen meist nur personen werden und bleiben, mit denen frau keine intensivere und detailliertere unterhaltung pflegt.
durch platte normalaktionen oder verhaltensweisen (wie z.b. eine uebertriebene geschlechtsorgan-orientierung) koennen sich mysterien wieder in das universum der mittelmaessigkeit katapultieren.
wie bereits oben erwaehnt, ist es nur ganz selten der fall, dass das personale mysterium durch kommunikation aufrechterhalten werden kann.
so kann gesagt werden, dass das stabilitaetsprinzip von mysterien durch plumpe kommunikation gefaehrdet werden kann.
nur dort, wo kommunikation zum totalen stillstand kommt, kann sich ein mysterium laengerfristig etablieren. kommunikation analysiert und dekonstruiert, um daraus im selben moment etwas neues zusammenzusetzen. und so etwas zerstoert die unantastbarkeit von mysterien.
mysterien sind da, um angeschaut zu werden, aber nicht, um etwas aus ihren oder anderen maeulern ueber sie und ihre realitaet zu erfahren.

aufgrund meiner enttaeuschenden erfahrungen mit mysterien verfasste ich einen leitfaden zum thema: 'wie bleiben sie ein mysterium?'
denn ich will sie existieren sehen, diese mysterien und ich will sie nicht dahinschmelzen sehen.

WIE BLEIBEN SIE EIN MYSTERIUM?

1. bedienen sie sich:
a. einer sprache - doch dekonstruieren sie klassische sinnzusammenhaenge.
b. keiner sprache.

2. bedienen sie sich dramaturgischer elemente:
legen sie das 'geheimnsivolle' in ihren blick und richten sie ihren blick oefters gegen den himmel.

3. werden sie in all ihrem tun NIEMALS aufschlussreich deutlich. hinterlassen sie spuren der verwirrung.
lassen sie ihrem gegenueber denk- und interpretationsraeume, auch platz fuer missverstaendnisse.

4. murmeln sie in regelmaessigen abstaenden etwas in den imaginaeren bart.

5. versuchen sie jedoch nicht die verklaerte romantikerin heraushaengen zu lassen. zu schnell koennte dies in richtung pathologisches verhalten interpretiert werden.

6. machen sie regelmaessig uebungen, um ihre aura zu verdichten.

soweit zu meinen ausfuehrungen vom jaenner 2003 ueber das mysterium.
seit damals stellte ich mir die frage: wie rette ich das mysterium in den alltag?
ist das ueberhaupt moeglich oder sind mysterien wesen, die im alltag zwischen fruehstueck und abendessen nicht ueberlebensfaehig sind?

so - jetzt mache ich mal pause - und schwimme eine runde, bevor mir der sessel aufgrund der schweissproduktion unterm arsch wegflutscht!

ahoj

katharina bruell



°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

verehrtes arschgeigenorchester! 19.7.2003, 22:00

die sonne glueht auf den asphaltboden und macht den gummi meiner plastiksandalen weich und biegsam.
ich lasse mein leben in form einer blitzlichtartigen zusammenfassung vor meinem inneren auge vorueberziehen, da kinogehen nichts zu bieten hat.
zwei highlights pro jahr blitzen immer auf - eine normalbiographie nach schema f mit einigen kreisfoermigen bewegungen. die loesung erfolgt eben nicht immer in linienform,
sondern oft naehert frau sich dem ziel in konzentrischen kreisen. langsam, aber sicher (zu spaet).

geradlinig und zielstrebig naehere ich mich nur meinem fahrrad.
rot und schwarz glitzert es mich in der sommerhitze an, die lenkstange in silber wird von den griffen zu einem laecheln nach hinten gebogen.
schon von weitem erkenne ich es und es loest in meinen beinchen den fersenturbo aus, der die abstossdynamik der ferse erhoeht und somit den gang
beschleunigt.
ich stuetze mich auf die lenkstange, umfasse die gerillten schwarzen griffe mit meinen haenden und schwinge den rest meines koerpers auf den sattel, der sich meinem erfreuten gesaess schon entgegenstreckt.

und dann trete ich in die pedale.
wie meine mutter mir immer sagte, mein talent liegt in meinen beinen.
beim treten der pedale habe ich das gefuehl, als wuerde sich meine gesamte koerperenergie in gebuendelter form und freude auf die pedale uebertragen.
allein durch die kraft meiner beine, vermag ich die geschwindigkeit ins unmessbare zu steigern.
das groesste gluecksgefuehl durchstroemt mich, wenn ich am fahrrad sitzend einen abhang hinunterbrause.
und daher scheisse ich auf joggen, wo frau so lange laufen muss, bis frau die zunge hinten nachziehen muss, weil sie so weit heraushaengt und dann das von struntz-laufpapst propagierte kokainkaestchen noch immer nicht aufgeht.

und im buch 'der dritte polizist' von flann o'brien wird auch klar, was beim radfahren im atomaren bereich abgeht:

'das brutto- und nettoresultat davon ist, dass die persoenlichkeit von menschen, die die meiste zeit ihres natuerlichen lebens damit verbringen, die steinigen feldwege dieser gemeinde mit eisernen fahrraedern zu befahren, sich mit der persoenlichkeit ihrer fahrraeder vermischt - ein resultat des wechselseitigen austauschs von atomen -, und sie wuerden sich ueber die hohe anzahl von leuten in dieser gegend wundern, die halb mensch und halb fahrrad sind (aus: flann o'brien 'der dritte polizist').

eine weitere lustige beobachtung fahrraeder betreffend konnte ich machen, als alle oeffentlichen verkehrsmittel in wien streikten.
ploetzlich war die stadt voller menschen auf fahrraedern.
grosse menschen auf kinderraedern, frauen auf raedern ohne reifenluft, verbogene lenkstangen, ratternde ketten, ohne sattel, quietschende bremsen.
menschen mit pannen auf raedern, wohin das auge sieht.

abschliessend noch eine ode ans fahrrad von flann o'brien:

"das fahrrad selbst schien eine gewisse eigenartige qualitaet der form oder persoenlichkeit zu haben, die ihm weit mehr wuerde und wichtigkeit verlieh, als sonst diesen maschinen eignet.
es war außerordentlich gut gepflegt, trug ein angenehmes funkeln auf dem dunkelgruenen gestaenge zur schau und hatte ein oelbad sowie ein sauberes glitzern auf rostlosen speichen und rahmenwerk aufzuweisen. es ruhte vor mir wie ein zahmes pony aus hiesigem gestuet und schien unangemessen klein und niedrig im verhaeltnis zum sergeant, als ich aber seine hoehe mit meiner groesse verglich, fand ich heraus, dass es groesser war als jedes andere fahrrad, das ich je gesehen hatte. das lag wahrscheinlich an den perfekten proportionen seiner teile, die sich nur zusammengefunden zu haben schienen, um ein ding von unuebertrefflicher anmut und eleganz zu schaffen, das alle geltenden groessennormen zunichte machte und nur in der absoluten gueltigkeit seiner eigenen untadeligen dimensionen existierte.
trotz der staemmigen fahrradstange schien es unsagbar weiblich und waehlerisch, es posierte eher wie ein mannequin, als dass es sich muessig gegen die wand lehnte wie ein faulenzer, und mit unanfechtbarer praezision ruhte es auf seinen zierlichen reifen, zwei winzige punkte reinen kontakts mit dem geraden fussboden.
ich strich mit unbeabsichtigter zaertlichkeit - ja, sinnlich - ueber den sattel. auf unerklaerliche weise erinnerte er mich an ein menschliches antlitz, und das nicht einer simplen aehnlichkeit in umriss oder miene wegen, sondern durch eine verwandtschaft der gewebe, irgendeine unbegreifliche vertrautheit an den fingerspitzen. das leder war dunkel vor reife, hart, und zwar von einer noblen haerte und von all den scharfen falten und feineren runzeln gezeichnet, die die jahre mit all ihrer drangsal auch in mein antlitz gekerbt hatten. es war ein freundlicher sattel, und doch war er fest und furchtlos, ueber seine einkerkerung nicht verbittert und von der haft nicht gezeichnet, nur von den spuren ehrenwerten leidens und ehrlicher pflichterfuellung. ich wusste, dass ich dieses fahrrad lieber hatte als je ein anderes fahrrad zuvor, lieber sogar als manche leute mit zwei beinen" .

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

verehrtes arschgeigenorchester! 15.6.2003, 18:00

mein magen knurrt
mein magen grunzt.
mein magen grummelt.
meine gedaerme spielen verrueckt. ovarien werden zu maegen und schreien nach mehr fuellstoffen.
der bauch wird vor mir hergetragen wie ein externes objekt.
vollgepumpt mit luft oder sonstwas. es ist unertraeglich. noch ein schluck vom bier und ich steige in die ewigen himmel auf.
wie ein ballon.
wenn ich tanze, drueckt der bauch mein hohlkreuz so richtig durch.
dadurch entwickelt sich ein oberkoerper-wipp-tanzstil.
nicht fuer partnertaenze geeignet. da der sonst eines mit meinem nach vorne schnellenden oberkoerper in die fresse kriegt.
der kampf zwischen rueckenmuskulatur und bauch zerstoert jede tanzaesthetik und jeden sinn fuer zweisamkeit.
der blaehbauch bleibt bei mir, auch nach mehrmaliger entleerung.
und mit dem mond nimmt er taeglich zu.
saemtliche turnuebungen, um zu einer befreienden blaehung zu kommen sind zwecklos.


aus: hormone an der macht. das tagebuch einer menstruierenden.

in liebe und bruell
katharina bruell

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
verehrtes arschgeigenorchester! 30.5.2003, 14:25

ist es denn das vogellied?
und es ist.
es ist sommer. und das hat fuer alle einiges zu bedeuten.
nicht nur die sonne grillt sich ein wuerstchen auf der donauinsel und lacht dazu in technoiden rhythmen. auch wir lassen nichts anbrennen und ziehen mozzarella mit tomaten der hitzeproduzierenden herdplatte vor.
von logik kann nicht mehr die rede sein. die stadt bekommt eine neue geraeuschkulisse. das steht ihr gut und verursacht bei uns menschen einen hopsenden gang.
die untergrundbahnen der stadt verwandeln sich in olfaktorische schreckensgespenster, welchen eine intakte nasenschleimhaut nur schwer paroli bieten kann. das sich unter der sitzbank verbergende kebap-sandwich mit einer extraportion zwiebel entwickelt sich im angesicht der hitze zu einer tickenden und unberechenbaren stinkbombe. die synthetischen stoffe kleben in der verschwitzten achselhoehle fest, wobei die reaktion der schweissmolekuele mit den polyester-molekuelen zu ueblen geruchswolken fuehrt. steige ich bei solchen temperaturen in die untergrundbahn, sehe ich mich foermlich in einem wirbel kopulierender molekuele, deren reaktiver verkehr furchterregende gerueche erzeugt, untergehen und das, obwohl an der zollwache meiner verengten nasenscheidewand nur wenige gerueche einen passierschein erhalten.

sommergefuehlssalatoase.
die busen wippen unbeschwert in der luft herum. befreit von bruststabilisierenden kleidungsstuecken und winterlichen wollpullovern.
die glotzmaschinen der menschen sind auf bereitschaft gestellt und auf der lauer nach neuen ein- und ausblicken. bei sparsamer verhuellung koennen die glotzattacken, die in ueblen faellen auch zu ungewollten koerperkontakten fuehren koennen, unangenehme situationen heraufbeschwoeren, die frauen mit unschlagkraeftigem selbstbewußtsein ein greuel sind. pfui!

im sommer tragen maenner ihr permanent von sexualitaet gerittenes dasein noch plumper und offensichtlicher zur schau.
mein weg vorbei an der baustelle laesst ein bauarbeiterpfeiforchester ertoenen, dem ich je nach tagesverfassung nichts besseres entgegnen kann als die in 80er-volksschuljahren oft verwendete vogel-im-gehirn-handbewegung. das degradiert die eindeutig sexuell konnotierte szene zu einer alltagsgeschichte aus meiner volksschulzeit. ich bin zufrieden und denke mir, dieser punkt im strassenkampf der geschlechter geht an mich.

so mache ich es mir zur sommerlichen aufgabe neue alltagsbewaeltigungsstrategien im umgang mit maennlichem machoverhalten auf der strasse zu finden.

beim naechsten mal:

* meine fahrt mit dem minirock
* der mann, der meiner schwester an die moese wollte
* frauen an der roten ampel

in jedem fall werden die mushroom-moesen zurueckschlagen, denn wir sind keine aepfel im schlafrock!
in liebe und bruell.






°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
liebes arschgeigenorchester! 15.5.2003, 22:23
das motto des heutigen abends: zeittotschlagen. kein theoretischer abriss ueber diese in der arbeitswelt weitverbreitete arbeitstechnik. ich spreche aus erfahrung. erfahrung am eigenen leib.

erwischt frau sich dabei, wie sie die daumen beider haende 3 minuten lang auf der leertaste der buerocomputertastatur gelassen hat, ist es meist schon zu spaet. sie ist zur praktizierenden zeittotschlaegerin geworden. fuer alle verteidigerinnen praeventiver massnahmen, muss ich sagen, dass es gegen die aktivitaet des zeittotschlagens keine erfolgreichen praeventivmassnahmen gibt. denn das zeittotschlagen beginnt meist mit einem unbewußten akt. ein verlaengertes lutschen am finger, obwohl frau nur das stueck flatternde daumenhaut abbeißen wollte. ein verbleiben eines fingers auf einer tastaturtaste. meist beginnt das zeittotschlagen mit dem unbewußten haengenbleiben in einer aktionsschleife. mit einer art versenkung in einen mikrokosmos, mit einer gedanklichen abschweifung. zieht sich die aktivitaet des zeittotschlagens ueber einen laengeren zeitraum, entwickeln begabte auch andere abstruse verhaltensweisen, die meist mit ein wenig mehr aktivitaet einhergehen.
zu diesem zeitpunkt ist es der zeittotschlaegerin bereits bewußt, dass die zeit totgeschlagen werden muß. um nicht in einen dornroeschenschlaf zu versinken, ist aktivitaet angesagt, deren einziges ziel es ist, die zeit zu vernichten. clockwatching ist das damit einhergehende phaenomen, das besonders in der bueroarbeitswelt einen grundlage des tagesablaufs darstellt. fuer anfaengerinnen im zeittotschlagen eignen sich kleine uebungen. dabei geht es immer darum sich eigene spielregeln aufzustellen. zum beispiel: wie lange kann ich einen ordner mit 400 blaettern von vorne nach hinten und umgekehrt durchblaettern ohne dass mich eines der anwesenden befehlenden arbeitstiere fragt, was ich hier mache? wie lange kann ich es hinauszoegern, den empfangenen befehl auszufuehren? wie oft kann ich an einem arbeitstag am klo verschwinden, ohne dass es auffaellt? all diese aktivitaeten laufen darauf hinaus, sich mit geduld und hingabe in einer sinnlosen aktivitaet zu versenken.
bei all diesen aktionen ist es wichtig, den gesichtsausdruck zu kontrollieren. nie duerfen sich mundwinkel nach unten verschieben oder augenlider zu geschlossenen vorhaengen werden. koerperhaltung aufrecht und interessierter gesichtsausdruck. das bedarf einer gewissen uebung. zeittotschlaegerinnen, die in bueroraeumlichkeiten agieren, sind besonders von dieser aufspaltung von aeußerem und inneren zustand betroffen. sie muessen gute miene zum boesen spiel machen. sie sind meisterinnen des mienenspiels. anfangs schwer durchzuhalten, verselbstaendigt sich dieses verhalten bei langwierigem zeittotschlag. fuer anfangerinnen, die das mienenspiel beruecksichtigen muessen, lohnt es sich, sobald die geschaeftsfuehrerin den raum verlaesst, die miene zu verziehen und somit die muskulatur zu lockern. eine frau, die sich als reinkarnation von traudl junge betrachtet, meint dazu: "auch ich sitze oft auf meinen buerostuhl und wuensche mir, dass der fuehrer das zimmer verlaesst, damit ich endlich meine miene zu einer grauenvollen grimasseverziehen kann".

fortgeschrittene zeittotschlaeger sollen im hinterkopf immer eine hymne summen oder im stillen bruellen.
gut eignet sich dafuer der blumfeld-song mit dem titel 'zeittotschlaeger':

'zeittotschlaeger laufen um ihr leben - irgendwann haelt gott seine arme auf - bis hierhin und nicht weiter - wissen tut weh - gott nicht - und 33 war adolf hitler gottes sohn - falsche richtung - dummheit lass mich los - dummheit lass los'

wie auch immer -
jede, die zeittotschlag praktiziert, wird auf kurz oder lang zur systemerhalterin degradiert!

denken sie doch diese wurst aus drittem reich und totschlag von zeit zu ende. ich kann nicht mehr. gutentach.


°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

liebes arschgeigenorchester! 13.5.2003, 16:45
ihr befindet euch mitten in der geheimen oktav von katharina bruell. dabei handelt es sich um jene oktav meiner klarinette, die es laut musiklehre auf einer klarinette gar nicht gibt . auch ich habe sie nur durch zufall entdeckt. auch wenn mich das jetzt an harry potter erinnert, wo die kleinen zauberidioten nur vom bahnsteig 3 3/4 in ihre faschistoide schule fahren koennen. und diesen bahnsteig sieht natuerlich nicht jede beliebige person. doch die story von der geheimen oktav entspringt nun entweder meinem musikalischen anti-fachwissen oder der einfachen tatsache, dass es eben so ist. die dritte oktav beinhaltet hoechste toene, die, wenn frau die technischen gegebenheiten betrachtet, vermutlich jeglicher grundlage entbehren. aber, genug. beschaeftigt mich momentan doch etwas ganz anderes. einerseits der langsame verlust meines erinnerungsvermoegens und andererseits das damit einhergehende verhalten eines pizzakochs, der aus den erinnerungsrudimenten noch eine pizza basteln will. und das kann wiederum zu grauenhaften mixturen und unzusammenhaengenden
pizzakonstruktionen fuehren, die entweder unverdaulich oder toedlich sind. so, die welt der fressmetaphern hat mich wieder. denn die einzigen fixen erinnerungen habe ich an essen und das, obwohl meine nasenschleimhaut funktionsuntuechtig ist.
wissenschaftlerinnen die von patchwork-identities sprechen, wuerden wahrscheinlich in meinem fall von patchwork-memories sprechen und der ganze kaese muesste dann wieder fuer die postmoderne herhalten. und somit waere mein individuelles gedaechtnis-problem wieder so einem abstraktionsgrad unterworfen, dass die sache eigentlich nichts mehr mit mir zu tun hat. und das ist das gute an analysen. problem abstrahiert und (auf)geloest mithilfe aetzender verallgemeinernder woerter. und was nach solchen ueberlegungen bleibt, ist die frage: worum ging es urspruenglich? wenn ich ehrlich bin: ich weiss es nicht mehr. gutentach noch. traklllaa liebes arschgeigenorchester