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definition [lexikon der kunst]:

"fluxus, zeitgenössische kunstform, die sich innerhalb der aktionskunst parallel zum happening entwickelte. im eigentlichen sinn ist fluxus keine feststehende, definierte kunstform; ebenso wenig existiert eine festumrissene künstlergruppe. der wortstamm "flux" bezieht sich gerade auf diesen transitorischen charakter, den ständigen wechsel der einfälle und, damit verbunden, auch der mitglieder von fluxus-aufführungen. die anfänge der fluxus-bewegung gehen vor allem auf die kurse über "experimentelle komposition" zurück, die john cage in den späten fünfziger jahren an der new school of social research in new york abhielt. an den unkonventionellen kursen, in denen aus klängen und geräuschen musik bzw. neue kunstformen entstehen sollten, nahmen george brecht, jackson mac low, al hansen und dick higgins teil – somit fluxus künstler der ersten stunde".

  • kleine stücke und kompositionen in cafés und theater aufgeführt
  • diese gruppenaktivität schwappte in die europäische kunstzentren über
  • hauptbeteiligte:
    paris: jean-jaques lebel, robert filou;
    düsseldorf: wolf vostell, joseph beuys;
    new york: allan kaprow, claes oldenburg;
    tokyo: murakami, tanaka und kanayama
  • erste publikation [von der "cage gruppe" in der galerie george maciunas]: "an anthology" [1961], sammlung verschiedener texte und gedichte; 1962 präsentation in wiesbaden
    >>> damit wurde der begriff "fluxus" etabliert und auch von den beteiligten künstlern angenommen
  • bis heute von den künstlern aber keine verbindliche definition erklärt. soll offene kunstform bleiben, "ein fließender ereigniskanon, in dem tanz, theater, musik, rezitation, pantomime, aktion und elemente der bildenden kunst eine schillernde, auf kleinste veränderungen und einwürfe, auch von seiten des publikums, reagierende synthese eingehen".
  • flut von gedichten, schriften, manifesten veröffentlicht, va in dem von dick higgins gegründeten und bis 1974 geführten verlag something else press.
  • streitigkeiten über sinn und mitgliedschaft führten mitte der 60iger zur aufspaltung der new yorker kerngruppe – veranstaltungen und happenings wurden aber weiterhin miteinander durchgeführt, zb charlotte moores avantgarde-festivals oder eine veranstaltungsreihe von jean dupuy: die gromet theaterabende – eine ein-mann-aufführung, die nur von einer person durch ein ösenloch [gromet] gesehen werden konnte.
  • 60iger jahre grundsätzlich die hochphase von "fluxus"
  • anknüpfungspunkte an dada in den zwanzigern [bezogen auf happenings mit eingeplanten publikumsreaktionen etc], aber gedankliche hinterbau bei beiden ein völlig anderer: nicht kriegsbedingter "lebensekel" und "anti-kunstattitüde" treibende kraft, sondern "reine lebenslust, spaß an der menschlichen kreativität und interaktion abseits geregelter konventioneller kulturformen zu spüren"



amelie lüttgens, ausstellungskatalog "fluxus und nouveaux realistes", hamburger kunsthalle:

als die höhepunkte von fluxus werden die happenings von fluxus gesehen, die von 1962 an in wiesbaden, düsseldorf, aachen durchgeführt wurden.
musikalische beiträge waren einer der bestandteile wobei auf zb konventionellen instrumenten unkonventionelle töne geschaffen wurden oder küchengegenstände etc verwendet wurden. so gibt es eine partitur für maciunas "in memoriam adriano olivetti": "jeder teilnehmer wählt eine beliebige einstellige zahl von einem gebrauchten papierstreifen einer rechenmaschine. jeder teilnehmer tritt, jedesmal wenn seine zahl in einer reihe vorkommt, vor. die reihen folgen dem schlag eines metronoms. es ergeben sich vier verschiedene möglichkeiten der ausführung, wenn die eigene zahl vorkommt:

  1. die melone wird gezogen und wieder aufgesetzt,
  2. mund-, lippen-, zungenlaute,
  3. regenschirme werden geöffnet und geschlossen"


fluxus war eine totale absage an alle herkömmlichen aufführungsformen, an deren professionalität und die verwertbarkeit von kunst. man [zb macunias der galerist] versuchte dieses "defizit" mit der edition von objekten, einladungs- und eventkarten zu umgehen.

joseph beuys spielte eine wichtige rolle bei der transformation von aktion zu objekt. er stellte 1963 erstmals objekte und zeichnungen unter dem thema "fluxus" in der galerie der gebrüder van der grinten aus. er produzierte assemblagen aus alltagsgegenständen die auf menschliches dasein referierten [die arbeit "küchenchef" von 1964, ein mattiertes joghurtglas, eine hellblau bemalte wurst und ein kochlöffel werden auf ein brett komponiert und dienen einerseits als mütze [das glas] und zepter [kochlöffel] des "küchenchefs" und sollen die eigene macht eines jeden selbst über seinen alltag thematisieren
>>> der "selbstmarginalisierung" die seine fluxus-kollegen betrieben folgte beuys aber nicht

schwierigkeit grundsätzlich bei fluxus waren die prozesshaften ereignisse und die wenig greifbaren ergebnisse, die somit "quer zum interesse von sammlern und museen" standen.
rené block, jahrzehnte wichtigste galerie in deutschland als anlaufstelle von fluxus-kunst: "es gibt hauptwerke im bereich der performance [...], aber im bereich der bildenden kunst gibt es keine regelrechten hauptwerke"
>>> neben editionen entstanden somit meist objekte aus relikten von aktionen

sehr häufig wurden aber bei den objekten alltagsgegenstände verwendet, bzw alltägliches für eine art "umstrukturierung" verwendeten. so robert filou, der neue maßeinheiten für seine körpergröße [60 tomaten] und sein alter [111.225 zugreisen kopenhagen-paris] erfand.
"die idee der äquivalenz, der gleichwertigkeit von unvergleichbarem durchzieht sein gesamtes werk". filou, gelernte ökonom, der noch in den fünfziger jahren als ökonom der vereinten nationen einen plan zum wirtschaftlichen wiederaufbau in korea erarbeitet hatte, kommentierte nun, nach dem wechsel auf die seite der "[lebens]-künstler", die methoden der exakten wissenschaften. "jede professionalität als künstler ablehnend und jedes handwerkliche können vermeidend, hielt er sich konsequent auf der grenze zwischen bastler und ingenieur ..."

es gibt eine art "zen-aspekt" in der fluxusbewegung, der sich definieren lässt als unaufwendigkeit, materialarmut und sensibilisierung für alltägliche handlungen und dinge

nam june paik arbeitet mit reinem klangerlebnis. ausgang für ihn ist die zwölftonmusik schönbergs und cages einbringen von alltagsgeräuschen in die musikalische komposition. dabei sind klangerlebnis, kommunikation mit dem publikum, visualisierung von musik ziel von verschiedenen aktionen paiks, wozu parallel im weitesten sinne objekte als instrumente zur geräuscherzeugung entstanden sind, so ein objekt von 1961, eine gewindestange auf hölzerner unterlage befestigt, auf der verschiedene gegenstände zur klangerzeugung aufgezogen sind: spielzeugrevolver, filmdose, zahnrad, spule, tischtennisschläger ohne griff ...

im "puderbild" von arthur köpcke werden abfälle des ateliers von wolf vostell verwendet: seiten einer ausgabe der französischen zeitschrift "match" mit dem titelbild des segnenden papstes johannes xxiii auf dem titelblatt, stanniol von zigarettenschachteln, diarähmchen, staub und staubgrauem pigment. alle lose zwischen zwei plexiglasscheiben befindend und je nachdem wie man es schüttelt gibt es einen neuen bildaufbau
>>> willkürlichkeit in der bildnerischen komposition als gegensatz zur konventionellen überlegung desselben
in "kartoffelkiste" hat er kartoffeln in einer zigarrenkiste silber angesprüht und somit aus einem alltäglichen behältnis eine schatzkiste gemacht, in der die heute verschrumpelten kartoffen wie schätze liegen
>>> arbeitete hier sehr häufig mit der aufwertung von alltäglich–unkostbarem in form von äußerer veränderung und dekontextualisierung ...
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